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Gymnasium Freudenberg
Kantonsschule Freudenberg Zürich
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Theaterprojekt 2026: DNA

Mit der eindrucksvollen Aufführung des Stücks DNA von Dennis Kelly ist es den zwölf Schauspieler:innen der KFR gelungen, das Publikum nachhaltig zu be-
rühren und zum Nachdenken anzuregen. Unter der einfühlsamen Leitung von Christian Renggli und Sébastien Pruvost erarbeiteten die Jugendlichen über einen Zeitraum von acht Monaten ein Theaterstück, das sich schonungslos mit den Themen Ausgrenzung, Mobbing, Gruppendruck und persönlicher Verantwortung auseinandersetzt.

Besonders überzeugend war, wie authentisch die Schüler:innen in ihre Rollen schlüpften – Rollen, die vielen Zuschauer:innen aus dem eigenen Schulalltag oder der eigenen Jugend nur allzu vertraut waren: der schüchterne Mitläufer, die unsichere Freundin, die verzweifelt dazugehören möchte, die abgebrühte, wortkarge Anführerin, das verletzliche Opfer. Mit feinem Gespür machten sie sichtbar, wie Gruppendynamiken entstehen und wie schnell moralische Grenzen verschoben werden.

Der Schauplatz – ein Niemandsland am Rande der bewohnten Zone – erwies sich dabei als kraftvolles Symbol. Der unebene Boden und die Bauabschrankungen standen sinnbildlich für die Jugendzeit selbst: eine Phase des Umbruchs, der Unsicherheit und des stetigen Umbaus der eigenen Persönlichkeit. In diesem unwegsamen Gelände lauern Fallgruben, Stolpersteine und Gefahren – genauso wie im sozialen Gefüge Gleichaltriger.

Nach der missglückten Mutprobe, die vermeintlich im Unfalltod eines Jugend-
lichen endet, verdichten sich Spannung und Atmosphäre zunehmend. Die Figuren zeigen immer deutlicher ihre hässlichen Seiten, ihre Ängste und ihre Unsicher-
heiten. Schuldgefühle nagen an ihnen, Lebenssicherheiten bröckeln und Zukunftspläne verlieren ihre Selbstverständlichkeit. Die Schlinge zieht sich unaufhaltsam zu. Besonders eindrucksvoll wird dieser innere Druck szenisch umgesetzt, als die Bauabschrankungen plötzlich den gesamten Treffpunkt umschliessen. Die Metallgitter erinnern unweigerlich an ein Gefängnis – nicht
nur an ein reales, sondern auch an das Gefängnis der eigenen Schuld und Verantwortung, aus dem es kein Entrinnen gibt. Im letzten Akt nimmt die Ge-
schichte eine neue Wendung, als das Opfer nach geraumer Zeit lebend wieder auftaucht und somit die Jugendlichen mit ihrer Schuld konfrontiert und dafür zur Verantwortung gezogen werden.

Die Inszenierung lebte vom grossen Talent der jungen Schauspielenden, der durchdachten Regie von  Christian Renggli und Sébastien Pruvost sowie der aussagekräftigen Bühnengestaltung von Susanna Rosati. Mit wenigen Mitteln wurde eine beklemmende Atmosphäre geschaffen, die lange nachwirkte.

Besonders wertvoll war auch die intensive Nachbereitung der Aufführung: Insgesamt 14 Klassen hatten im Anschluss die Möglichkeit, gemeinsam mit ihrer Klassenlehrperson, Schauspieler:innen, einem der Regisseure oder einer Schul-
sozialarbeiterin bzw. einem Schulsozialarbeiter über die zentralen Themen des Stücks ins Gespräch zu kommen. Diese Dialoge machten deutlich, wie aktuell und relevant DNA für Jugendliche ist – und wie wichtig es ist, Fragen nach Verantwor-
tung, Mut und Zivilcourage offen zu thematisieren.

Diese Theaterproduktion zeigte das kreative, reflektierte und emotionale Potenzial von schulischem Theater – und wie Kunst jungen Menschen eine starke Stimme verleihen kann.

Text: Valeria Gemelli

Fotos: David Brändli

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