Zürcher Leu
Liceo Artistico
Kantonsschule Freudenberg Zürich
Liceo Artistico
Schweizerisch-italienisches Kunstgymnasium

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Gran Premio 2017

Gran Premio del Liceo Artistico

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Besucher, Zugewandte, Freunde des Liceo Artistico,
Liebe Schülerinnen und Schüler, Betreuerinnen und Betreuer,
Liebe Preisträgerinnen und Preisträger
Ich begrüsse sie ganz herzlich zum diesjährigen Gran Premio ausgezeichneter Maturitätsarbeiten.

Zum Ablauf des heutigen Abends:
Nach meiner Einleitung werden zunächst werden zwei Arbeiten prämiert, die von der internen Kommission im Rahmen vom IMPULS Mittelschule ausgewählt wurden.
Diese zwei Arbeiten gelangen an eine weitere Prämierungsrunde des Kantons Zürich, EINE davon wird im Lichthof der Universität Zürich vom 3. Mai bis am 24. Mai 2017 ausgestellt werden. (Festakt am Mittwoch, 10. Mai 2017, 19:00 Uhr)
Dann werden drei Arbeiten ausgezeichnet, die der Verein ALA (Amici del Liceo Artistico) auserkoren hat.
Im Anschluss werden die Prämierten Schülerinnen und Schüler ihre Arbeiten in jeweils fünf Minuten dauernden Blitz-Präsentationen kurz und bündig vorstellen.
Um diese doch beachtliche Preislawine leiblich und seelisch verarbeiten zu können, erfolgt im Anschluss ein Apéro, wie stets verdankenswerterweise offeriert vom Verein ALA, derselbe Verein, dem auch die Ausschüttung aller diesjährigen Preisgelder zu verdanken ist.

Obwohl schon alle künftigen Maturandinnen und Maturanden Noten und Kommentare für ihre Arbeiten erhalten haben, versuchen nun weitere Systeme der Prämierung den besonderen Wert herausragender Arbeiten zu belohnen.
Warum? Werden Sie sich vielleicht fragen. Ist jemand zu kurz gekommen?
Nun, die Arbeiten sind in ihrer Bandbreite und Vielfältigkeit kaum nach einheitlichen Kriterien zu vergleichen. Versucht man dies trotzdem, kommt es zu Verzerrungen. Dies haben in der Wissenschaft schon früh viele bekannte Preisträgersysteme erkannt, von denen das Nobelpreis-Komitee nur die Spitze eines Eisbergs ist.
Wir können bei einigen Arbeiten nur erahnen, wieviel Hektoliter Herzblut, Schweiss und Tränen vergossen wurden, die am Ende ausser der Note aber keine besondere Anerkennung erhalten haben.
Doch hierfür gibt es Preisverleihungen! Sie versuchen diese Ungerechtigkeiten durch Formen Anerkennung auszubügeln.
Nicht alle Preisträger mögen dies, einige sind irritiert und erscheinen gar nicht erst wie etwa Bob Dylan, andere kaufen sich schöne Kleider und geniessen solche Anlässe wie strahlende Maikäfer.
Die Form symbolischer und gesellschaftlicher Anerkennung tut aber allen gut, besonders dann, wenn die Auszeichnungen verdient sind.

Die diesjährigen Preisträger, welche von der internen Kommission für die nachfolgende kantonale Prämierung im Rahmen von IMPULS Mittelschulen ausgewählt wurden (und deren EINE in die Universität Zürich zur Ausstellung 3. Mai bis 24. Mai 2017 gelangt), sind:

Antonina Nikolic L5a
Zusammenleben in den Blöcken
Betreut von Clemens Steiger

Ivo Koller L5b
Lucifer – Designing a video game that narrates ist story through gameplay
Betreut von Eva Whitty

Antonina Nikolic hat sich in ihrer Arbeit mit der Geschichte, der Architektur und den Bewohnern der sozialistischen Blockbauten in Neu-Belgrad befasst, die in den 50er Jahren im ehemaligen Jugoslawien aus dem Boden gestampft wurden. Dazu hat die Verfasserin Belgrad bereist und aus den Filmmitschnitten verschiedener Interviews einen 15 Minuten dauernden Dokumentarfilm hergestellt. Dieser setzt sich mit den Menschen auseinander, die bereits in der Zeit der Tito-Regierung das Zusammenleben der sozialistischen Arbeiterbrigaden in diesen damals modernen Blockbauten erlebt haben und diese Zeit mit den Veränderungen des postmodernen Serbien vergleichen. Es gelingt dem Film in sehr überzeugender Weise, diese anspruchsvollen Zusammenhänge erlebbar und verständlich zu machen ohne dass die damit verbundenen Probleme zu einseitig oder zu platt daherkommen. Besonders deutlich wird dies am Beispiel der Frage nach der Erzeugbarkeit einer kollektiven Identität der Bewohner dieser Blöcke – die Hoffnung, dass etwa die Architektur allein solch ein Zusammenleben möglich machen könnte, hat sich in der in Individualitäten zerfallenden Kultur der Postmoderne zerschlagen. Man kann sich nur wünschen: Mehr davon!

Ivo Koller hat sich mit der Frage beschäftigt, wie sich ein Computerspiel so gestalten und programmieren lässt, dass es seine Geschichte und seine Funktionsweise selbst erzählt. Dazu wendete er seine ohnehin bereits fundierten Programmierkenntnisse auf der für ihn neuen Ebene der Spiele an und programmierte in C++ zwei Spiele (Isoformer und Lucifer), welche die Grundidee in prototypischer Weise umsetzen. Und: Wie die Versuche der Probanden zeigen: Sie funktionieren wunderbar, die Kinder seiner Betreuerin Eva Whitty sind bereits an Beginn der schiefen Ebene der Spielsucht angelangt und fordern für das kubische Würfelverschiebespiel Isoformer neue Levels vom Programmierer. Ideell stellte Ivo eine Verbindung zum Narrativ aus Andrej Tarkovskys klassischem Film Nostalgija (1983) her, dessen Bildsprache dem Spiel Lucifer Pate stand. Die Arbeit überzeugte die Jury durch ihre Kompaktheit und Funktionalität ebenso wie durch ihre pädagogisch-didaktisch funktionierende Wirkung und die ästhetisch ansprechende Gestaltung. Man darf hoffen, dass eine ausgebaute Version demnächst auf den Markt kommt!